ChatGPT Ads sind da – das steckt dahinter
Es ist so weit: Seit dem 24.08.2026 laufen in ChatGPT bezahlte Anzeigen, in 31 europäischen Märkten gleichzeitig, darunter unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit ist der Kanal, über den seit zwei Jahren spekuliert wird, buchbar. Nur eben noch nicht für alle und noch nicht so, wie man es von anderen Plattformen kennt.
Wer die Werbung überhaupt sieht
Nicht alle Nutzer:innen sind gleich – je nach Tarif ändert sich die Erreichbarkeit:
| Tarif | Werbung? |
| Free | ja |
| Go | ja |
| Plus | nein |
| Pro | nein |
| Business und Enterprise | nein |
Die erreichbare Zielgruppe ist zwar gross, weil der Grossteil der Nutzer:innen gratis unterwegs ist. Der Haken liegt jedoch woanders: Wer ein Abo bezahlt, sieht keine Werbung. Und wer beruflich intensiv mit ChatGPT arbeitet, bezahlt in der Regel.
Für B2B-Kampagnen heisst das, dass genau die Entscheider:innen, die man ansprechen will, überproportional oft nicht erreichbar sind. Die ersten B2B-Tests aus den USA passen ins Bild, dort kam bei zwei unabhängigen Auswertungen kaum etwas an qualifizierten Anfragen heraus.
Wie eine Anzeige aussieht
Die Anzeige sitzt unter der ChatGPT-Antwort, ist als gesponsert gekennzeichnet und optisch abgegrenzt. OpenAI betont, dass Werbung die Antwort nicht beeinflusst und auf getrennten Systemen läuft.
Bisher existiert nur eine Anzeigeoption. Das Format liegt näher an einer klassischen Textanzeige als an einem Reel. Wer aus Paid Social kommt, sollte sich darauf einstellen, dass hier über Produktion nicht viel zu gewinnen ist, der Fokus liegt auf Text.

Kein Keyword, kein Suchbegriffbericht
Das ist die Stelle, an der es knifflig wird: ChatGPT Ads kennen keine Keywords. Steuerbar sind zum Start Land, Plattform und Zielgruppen aus eigenen Listen, dazu eine thematische Zielrichtung.
Damit fällt die halbe Systematik weg, auf der Search-Konten gebaut sind. Du siehst nicht, mit welchem Prompt jemand bei dir gelandet ist. Die Optimierung fängt also erst auf der Zielseite an und UTM-Systematik plus ein geprüftes GA4-Setup sind hier die einzige Diagnosequelle, die dir bleibt.
Dazu kommt ein Punkt, den wir im Livebetrieb als erstes gegenprüfen werden: Nach der bisher besten Auswertung rechnet OpenAI Klicks nur rund 24 bis 48 Stunden zu. Offiziell dokumentiert ist das nicht. Sollte es stimmen, ist es für die Kanalbewertung entscheidend, weil dann alles unsichtbar bleibt, was länger als zwei Tage bis zur Conversion braucht.
Für einen Teil der Branchen ist der Kanal noch nicht geöffnet
OpenAI fährt in der Startphase eine schmale Liste an Konsumkategorien: Haushalts- und Konsumgüter, lokale Dienstleistungen, Reise und Entertainment, digitale Produkte und Bildung. Gesundheit, Finanzen und Recht sind eingeschränkt. In den Werberichtlinien steht ausserdem, dass Anzeigen für Finanzdienstleistungen ausserhalb der USA grundsätzlich untersagt sind.
Dauerhaft ausgeschlossen sind ausserdem Glücksspiel, Alkohol, Tabak, Dating und politische Inhalte. Unabhängig von der Branche spielt OpenAI keine Werbung in sensiblen Gesprächskontexten aus, etwa bei Gesundheits- oder Mental-Health-Themen.
Was wir noch nicht wissen
- Kein Self-Service in DACH. Gebucht wird über das OpenAI Ads Solutions Team sowie über Agentur- und Technologiepartner. Der Ads Manager ist für „später in diesem Quartal“ angekündigt, ein Datum gibt es nicht.
- Keine europäischen Benchmarks. Alle Zahlen, die gerade kursieren, kommen aus den USA und schwanken.
- Offene Regulatorik. Wie weit die DSA-Transparenzpflichten für ChatGPT reichen, inklusive öffentlichem Anzeigenarchiv, und wie die Kennzeichnung nach Art. 50 EU AI Act für KI-generierte Werbemittel hier praktisch aussieht, ist nicht abschliessend geklärt.
- Personalisierung kommt später. Die Anzeigen laufen zum Start rein kontextuell. Personalisierte Ads sollen folgen, dann mit ausdrücklicher Einwilligung, aber ohne Termin.
Fazit
Die Stelle im Funnel ist etwas einzigartig. Menschen beschreiben in ChatGPT ihre Situation und nicht ihren Suchbegriff, und wer dort mit dem passenden Angebot auftaucht, trifft auf eine Kaufabsicht, die in einem Keyword nie sichtbar geworden wäre. Ausgestattet ist der Kanal dafür zum Start allerdings noch etwas dünn.
Unsere Empfehlung ist daher: Erst prüfen, ob die Kategorie überhaupt zugelassen ist und ob der eigene Kaufzyklus zu einem sehr kurzen Attributionsfenster passt. Dann Pixel, Conversions API und UTMs sauber aufsetzen und erste Testings und Learnings generieren – mit der Zeit sollten dann auch brauchbare Benchmarks und Erfahrungswerte verfügbar sein.
Fragen dazu oder Interesse an einem Test? Meldet euch gerne jederzeit bei uns.
Quellen
- SichtbarerWerden: ChatGPT Ads in Deutschland, Guide vom 23.08.2026 (Formatspezifikation und Attributionsfenster, von OpenAI nicht bestätigt)
- Hurra.com: Auswertung eines US-Praxistests (Einzelfall, nicht repräsentativ)