Erste Schritte mit ChatGPT Ads

Advertising Geschrieben von Jolanda Kessler

Jolanda Kessler

Erste Schritte mit ChatGPT Ads

Die nächste Werbefläche ist bereits da – was Unternehmen jetzt wissen müssen

ChatGPT wird zur neuen Plattform für digitale Werbung. Seit dem Start der ersten Tests in den USA Anfang 2026 hat OpenAI ChatGPT Ads Schritt für Schritt ausgebaut. Ende August folgte der Rollout in 31 europäischen Märkten – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Gleichzeitig ist der Zugang zum Ads Manager inzwischen auch für europäische Werbetreibende verfügbar.

Für Unternehmen bedeutet das: Neben Google, Meta und LinkedIn entsteht ein neuer Touchpoint – direkt dort, wo Menschen Fragen stellen, Produkte vergleichen und Kaufentscheidungen vorbereiten.

Wir haben es für euch ausprobiert und teilen nachfolgend unsere Learnings:

Der ChatGPT Ads Manager

Die ersten Schritte: Anders denken als bei Google Ads

Wer ChatGPT Ads wie klassische Search Ads behandelt, greift zu kurz. In ChatGPT entsteht ein Dialog. Die relevante Frage lautet deshalb nicht nur: „Für welches Keyword möchte ich sichtbar sein?“, sondern: „In welchem Gesprächskontext soll meine Marke relevant werden?“

OpenAI arbeitet mit sogenannten Context Hints. Werbetreibende können damit Themen, Gespräche und Keywords beschreiben, in denen ihr Angebot relevant ist. Entscheidend sind unter anderem Gesprächskontext, Suchintention, Landingpage und Werbemittel.

Für eine digitale Marketingagentur könnte ein solcher Kontext beispielsweise nicht einfach „Marketingagentur“ sein. Relevanter wären Fragen wie: „Welche Digitalagentur hilft bei der Entwicklung einer ganzheitlichen Online-Marketing-Strategie?“, „Welche Agentur unterstützt Unternehmen bei SEO und AI Search?“ oder „Wie finde ich eine Digitalagentur für Performance Marketing?“

Genau hier sehen wir eine der spannendsten Veränderungen: Keywords werden zunehmend zu konkreten Nutzerintentionen.

Interface & Kampagnen: Noch jung, aber bereits erstaunlich konkret

Der neue Ads Manager entwickelt sich schnell. Kampagnen können inzwischen unter anderem auf Reichweite, Klicks und Conversions ausgerichtet werden. Dazu kommen Mess- und Optimierungsmöglichkeiten, die OpenAI sukzessive erweitert.

Auch beim Abrechnungsmodell gibt es Parallelen zu etablierten Plattformen: ChatGPT Ads unterstützt CPM (Kosten pro 1.000 Impressionen) und CPC (Kosten pro Klick). Für CPC-Kampagnen empfiehlt OpenAI aktuell ein maximales Einstiegsgebot von 3–5 US-Dollar pro Klick. Der tatsächliche Preis entsteht über eine relevanzgewichtete Auktion.

Wie stark die tatsächlichen Gebote je nach Branche streuen, zeigen aktuelle Marktbeobachtungen: E-Commerce-Angebote liegen meist bei 3 bis 6 US-Dollar CPC, Reise- und Bildungsangebote bei 4 bis 8 US-Dollar, SaaS und Software bei 8 bis 18 US-Dollar sowie Finance- und Legal-Angebote bei 12 bis 25 US-Dollar CPC (Quelle: WebFX, TopGrowthMarketing, 2026). Bei CPM-Kampagnen bewegen sich die Kosten aktuell zwischen 25 und 60 US-Dollar. Zum Vergleich: Beim Launch im Februar 2026 lag der CPM noch einheitlich bei 60 US-Dollar. Das Mindestbudget für Self-Service-Kampagnen (ursprünglich 50’000 US-Dollar) wurde im Mai 2026 vollständig abgeschafft; aktuell reicht ein Tagesbudget ab 25 US-Dollar.

Erste CTR-Benchmarks liegen laut eMarketer (2026) im Branchenschnitt bei rund 0,9 Prozent; einzelne Agenturen berichten seit Juli 2026 von eigenen Kampagnen mit bis zu 1,3 Prozent CTR. Zum Vergleich: Google Search erreicht im Schnitt rund 6,4 Prozent CTR (eMarketer, 2026). Ein wichtiger Grund für den Unterschied: Die Anzeige erscheint bei ChatGPT als eigener Block erst nach der vollständigen KI-Antwort, während Google-Anzeigen bereits vor dem eigentlichen Suchergebnis stehen.

Im direkten Kostenvergleich positioniert sich ChatGPT damit aktuell zwischen Meta und LinkedIn:

PlattformCPM (Ø)CPC (Ø)
ChatGPT Ads25–60 US-Dollar3–18 US-Dollar (Einstieg: 3–5)
Meta (E-Commerce)14–20 US-Dollar0,50–1,80 US-Dollar
LinkedInca. 39 US-Dollar5–12 US-Dollar
Google Searchvariabel1 bis über 10 US-Dollar
Quelle: WebFX, TopGrowthMarketing, eSEOspace (2026), aggregierte Branchenwerte – keine offiziellen OpenAI-Statistiken.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Auf den ersten Blick erinnert ChatGPT Ads an klassische Search-Werbung. Unternehmen definieren relevante Themen und Keywords und können ihre Werbung gezielt in passenden Kontexten ausspielen.

Der entscheidende Unterschied: Bei ChatGPT suchen Menschen nicht nur nach einem Begriff, sondern formulieren konkrete Fragen und Anliegen.

Genau hier liegt aus unserer Sicht eine der grössten Chancen für Werbetreibende: Keywords müssen stärker aus der Perspektive der Zielgruppe gedacht werden. Welche Fragen stellt mein potenzieller Kunde? Welche Probleme möchte er lösen? Und in welchem Moment ist meine Marke die passende Antwort?

Ein Hinweis zur Traffic-Qualität: Nach einer vielzitierten Analyse von Adobe (2025) konvertiert Referral-Traffic von generativen KI-Plattformen wie ChatGPT mit rund 15,9 Prozent deutlich höher als klassischer organischer Google-Traffic mit rund 1,76 Prozent. Wichtig: Diese Zahl bezieht sich auf organischen KI-Traffic, nicht auf Ads – sie liefert aber einen Hinweis darauf, wie stark vorqualifiziert Nutzer:innen sind, die über eine KI-Empfehlung landen. Belastbare CPA-Vergleichswerte für ChatGPT Ads selbst fehlen aktuell noch, da die Conversions-API erst seit Mai 2026 verfügbar ist.

Für Unternehmen empfiehlt es sich deshalb, frühzeitig zu testen: Welche Themen und Fragestellungen sind für die eigene Zielgruppe relevant? Welche Botschaften funktionieren? Welche Landingpages überzeugen? Und vor allem: Entsteht daraus tatsächlich qualifizierter Traffic und Geschäft?

Wer diese Erfahrungen jetzt sammelt, kann sich einen Vorsprung sichern, bevor sich ChatGPT Ads als weiterer Standardkanal im digitalen Marketing etabliert.

Interface und Preise: Was wir bisher wissen

Der ChatGPT Ads Manager entwickelt sich schnell weiter. Kampagnen lassen sich unter anderem auf Reichweite oder Klicks ausrichten. Auch bei Targeting, Messung und Optimierung erweitert OpenAI kontinuierlich die Möglichkeiten.

Beim Pricing gibt es bekannte Modelle aus der digitalen Werbung: ChatGPT Ads unterstützt CPM und CPC. Für CPC-Kampagnen empfiehlt OpenAI derzeit ein maximales Einstiegsgebot von 3–5 US-Dollar pro Klick. Der tatsächliche Preis wird über eine Auktion und die Relevanz der Werbung bestimmt.

Wichtig für Unternehmen: Die Preise und Funktionen sind aktuell noch nicht mit einem etablierten Kanal wie Google Ads gleichzusetzen. Genau deshalb sollten erste Kampagnen vor allem dazu dienen, Daten und Erfahrungen aufzubauen.

Was bedeutet ChatGPT Ads für deine Marketingstrategie?

Aus Agentursicht sehen wir drei Themen, mit denen sich Unternehmen jetzt beschäftigen sollten.

  • Erstens: Sichtbarkeit verschiebt sich. Potenzielle Kunden nutzen KI zunehmend, um Anbieter zu recherchieren, Leistungen zu vergleichen und Empfehlungen zu erhalten. Werbung wird damit Teil einer zunehmend dialogorientierten Customer Journey.
  • Zweitens: Content und Advertising wachsen zusammen. Eine erfolgreiche Kampagne wird nicht allein über ein gutes Anzeigenmotiv funktionieren. Entscheidend sind Kontext, Botschaft, Landingpage und die Frage, ob das gesamte Nutzererlebnis zur Suchintention passt.
  • Drittens: Early-Mover können lernen. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, welche ChatGPT-Ads-Strategien in zwei Jahren Standard sein werden. Unternehmen, die jetzt testen, können jedoch bereits eigene Benchmarks, Zielgruppenkenntnisse und Learnings aufbauen.

Zur Einordnung der Dynamik: OpenAI strebt laut Digiday-Berichten (2026) innerhalb von vier Jahren ein Werbe-Umsatzvolumen von rund 100 Milliarden US-Dollar an. Zum Vergleich: Meta benötigte für eine vergleichbare Grössenordnung 17 Jahre. Das zeigt, wie stark OpenAI in den Ausbau von ChatGPT Ads investiert und wie schnell sich Funktionen und Preise voraussichtlich weiterentwickeln werden.

Unser Agentur-Fazit: Jetzt testen, bevor alle testen

Wir sehen ChatGPT Ads nicht als Ersatz für Google oder Meta. Wir sehen es als zusätzlichen Kanal, der die digitale Customer Journey grundlegend verändern könnte.

Deshalb empfehlen wir Unternehmen nicht, sofort grosse Budgets umzuschichten. Sinnvoller ist ein kontrollierter Einstieg: relevante Use Cases identifizieren, passende Intent- und Keyword-Sets entwickeln, erste Kampagnen testen und anschliessend Kosten, Klickqualität und Conversions mit bestehenden Kanälen vergleichen.

Genau dabei unterstützen wir unsere Kund:innen: Wir beobachten die Entwicklung von ChatGPT Ads, testen neue Möglichkeiten und übersetzen die Learnings in konkrete Strategien für Unternehmen.

Quellen, neben internem dreifive-Test: