OMG, you won’t believe what happens next! – Der Clickbait und seine Gegenbewegung

Optimization Geschrieben von Miriam Böhner

Hand aufs Herz: Wer ist nicht schon einmal online über einen Beitrag mit dem reißerischen Titel „You won’t believe what happens next“ oder „WOW, OMG this is so unbelievable“ gestolpert und hat ihn erwartungsvoll angeklickt? In diese Clickbait-Falle sind wohl schon fast alle Internetnutzer getappt. Dabei verstecken sich hinter den geteilten Beiträgen auf Social Media Plattformen und Blogs, die häufig mit derartigen Phrasen angeteasert werden, meist nichts weiter als langweilige 08/15 Inhalte. Und dennoch: sie werden geklickt, Traffic und Popularität steigen. Doch woran liegt das eigentlich, was heißt Clickbaiting und wie geht man damit mittlerweile im Netz um?

Miriam Böhner

Senior Consultant Content Marketing

OMG, you won’t believe what happens next! – Der Clickbait und seine Gegenbewegung

Die Psychologie des Clickbaitings

„Clickbait“ – ein Begriff, der bereits durch seinen Namen verrät was er bewirken soll: „bait“ kommt aus dem englischen und bedeutet „ködern“. So soll beim potenziellen Leser durch einen etwas undurchsichtigen Titel, der eine großartige Überraschung und/oder Wendung zu versprechen scheint, das Bedürfnis geweckt werden, zu klicken und so dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Häufig finden sich entsprechende Artikel auf Facebook und Co.

Clickbaiting und die Tricks, die dahinter stecken sind dabei keinesfalls eine Erfindung der Neuzeit. Denn auf vielversprechende Titel, die die Neugier des Lesers wecken, sind sogar schon unsere Großeltern hereingefallen: Die Boulevardpresse beherrscht die Fähigkeit, mit reißerisch formulierten Headlines Lust auf mehr zu machen schon seit Jahrzehnten.

So sieht der klassische Clickbait ausDabei verfolgen die Verfasser des Clickbaits einen ganz einfachen psychologischen Trick, der den Leser zum Klick oder Social Share bewegen soll: Der Titel macht neugierig, denn es wird nicht auf den ersten Blick klar, was sich hinter dem Teaser verstecken wird. Die Artikelvorschau lässt kaum einen Rückschluss auf den Inhalt zu und weckt genau auf diese Weise das Klickbedürfnis. Dabei ist es noch nicht einmal sonderlich wichtig, ob ein Artikel mit qualitativ hochwertigen Bildern angeteasert wird oder von einer vertrauenswürdigen Quelle zu kommen scheint.

Vielmehr sind es Titel, wie „Doch DAMIT hatte niemand gerechnet“, „Das Ergebnis wird euer Leben verändern“ oder „Du wirst es nicht glauben was dann passierte“, die den Nutzer neugierig machen und besonders bei einer unerfahrenen, jungen Zielgruppe für Klicks sorgen. Die Enttäuschung über einen langweiligen Artikel lässt meist nicht lange auf sich warten, denn in der Regel finden Nutzer in einem Clickbait-Beitrag keine großartigen neuen Erkenntnisse, sondern nur banale Informationen zu Inhalten, die sie ohnehin nicht interessiert hätten.

Clickbait – was ist das? Und woran erkennt man einen Clickbait Artikel?

Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn nicht hinter jeder spannend formulierten Headline muss sich auch gleich ein fauler Inhalt befinden. Trotzdem gibt es Indizien, die dafür sprechen, dass Sie gerade einem Clickbait auf den Leim gehen könnten:

  1. Das Titelbild ist nicht besonders hochwertig. Es soll einen „gewöhnlichen Zustand“ zeigen und so Normalität erzeugen. Besonders beliebt sind Alltagsmotive oder Fotos in billiger Handyqualität.
  2. Die Überschrift besteht häufig aus Kürzeln wie OMG, WOW, WTF etc. Dieser Netzslang lockt besonders junge Nutzer an und verleitet zum ersehnten Klick.
  3. Es wird eine großartige Wendung oder ein spannendes Ereignis angekündigt, das man verpasst, wenn man den Link nicht anklickt (ähnlich wie bei einem Cliffhanger in der Filmbranche)
  4. Die Verwendung von starken Adjektiven und Superlativen: Das „Unglaublichste“, das „Erschreckendste“, „herzzerreißend“, „bewegend“ etc. sind gern verwendete Begriffe in Clickbait-Headlines
  5. Inflationärer Einsatz von Call-to-actions: „Jetzt klicken“ „Verpassen Sie das nicht“ etc. werden nicht nur ein-, sondern gleich mehrmals in der Aritkelvorschau und dem Teaser verwendet und sollen so die Klickwahrscheinlichkeit erhöhen

Warum stört uns das Clickbaiting so?

Diese Frage stellen sich vermutlich nur die User, die selbst noch auf keinen Clickbait hereingefallen sind. Clickbaits sind nervig, sie kosten Zeit, sie enttäuschen und sie verstopfen regelmäßig unseren Newsfeed auf Facebook und Co. Dabei ist ein Clickbait-Artikel weder mit einem gefährlichen Trojaner gleichzustellen, noch schließt man über ihn teure Abos ab.

Clickbaiting ist schlicht und ergreifend die nervige Frau von nebenan, die ungefragt den Klatsch & Tratsch aus der Nachbarschaft so erzählt, als würde es dabei um Leben und Tod gehen und einem damit wertvolle Lebenszeit stiehlt.

Was kann man tun um dem Clickbait zu entkommen?

Ein Geheimrezept, um jeden Clickbait zu entlarven und ihm zukünftig nicht mehr begegnen zu müssen gibt es nicht. Aber es formt sich eine Gegenbewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Clickbaits zu finden und ihnen die Macht über den User zu nehmen. Und wie? Ganz einfach: mit Spoilern.

Wie das funktioniert, stellt die Seite „Stop Clickbait“ in diesem Videoclip vor:

Sie schreiben über sich selbst:

„#StopClickBait spoils all of the most annoying click-bait right here on Facebook. You can finally rid your feed from this plague that is ruining the internet! (…) Stop Clickbait takes each and every clickbait article and reposts them into categories, and give us the direct, dry, strait-to-the-point answer to online-life’s most fascinating questions.”

Auf stopclickbait.com präsentiert das Netzwerk alle gesammelten Clickbait-Artikel, fein säuberlich nach Kategorien sortiert. Beim Klick auf einen der Kategorieteaser erreicht man direkt die entsprechende Facebookseite und kann sich dort nach Lust und Laune durch die mit Spoilern gespickte Timeline scrollen. Dabei ist es nun nicht mehr notwendig bei eventuell aufkommender Neugier auf den Artikel zu klicken und so der Zielseite wertvolle Zeit, Klicks und Werbeeinnahmen zu schenken, sondern es genügt, die Auflösung des „Rätsels“ in der Beschreibung zu lesen. Wir finden: eine großartige Idee!

Beispiele für StopClickbait Beiträge auf Facebook
Beispiele für StopClickbait Beiträge auf Facebook – die Auflösungen sind teilweise so banal, dass sie schon wieder über einen gewissen Unterhaltungswert verfügen.

Doch nicht nur hier und auf dem deutschen Pendant der Seite gibt es die Möglichkeit, gegen das nervige Clickbaiting vorzugehen. Immer häufiger erbarmen sich User, öffnen den Link und schreiben die „Auflösung“ des im Titel groß angekündigten Beitrags, versehen mit dem Hashtag #stopclickbait in den Kommentar-Feed. So sparen sich zumindest alle anderen Nutzer den Klick und vielleicht wird es sogar eines Tages soweit sein, dass sich der nervige Kampf um die Klicks für schlechte Inhalte nicht mehr lohnt und die Masse an Clickbaits im Netz wieder abnimmt.

Auch Facebook geht gegen den Klickköder vor

Nachdem der Social Media Riese diesen Schritt schon 2014 angekündigt hat, scheint er nun endlich Ernst zu machen und selbst gegen das Clickbaiting und seine Betreiber vorzugehen. Facebook teilte in seinem Newsroom mit, dass ein neuartiger Algorithmus dafür sorgen soll, dass solche übertriebenen Textaufmachungen und Headlines weniger häufig im Newsfeed auftauchen. Spiegel Online schreibt dazu:

„Das neue System soll jetzt Phrasen aussortieren, die üblicherweise in „Clickbait“-Überschriften vorkommen. Außerdem will Facebook Texte als „Klickköder“ kennzeichnen, wenn Überschriften in die Irre führen oder stark übertreiben. Beispielsweise sei die Überschrift „Äpfel sind schlecht für dich“ irreführend, da Äpfel nur ungesund seien, wenn jeden Tag zu viele gegessen würden. Darauf basierend will Facebook nun, ähnlich einem Spamfilter, Überschriften herausfiltern, die in anderen Schlagzeilen nicht vorkommen.“

Was bedeutet das Ende des Clickbaits für SEO und Content Marketing?

Das Credo von gutem SEO und Content Marketing ist, dem Nutzer (egal auf welche Plattform) qualitative Inhalte mit einem Mehrwert zu bieten. Denn nur dann erkennt Google diese auch als hochwertig an und lässt sie im Ranking steigen. Aus diesem Grund sollte sich jeder SEOler und Redakteur vom Clickbaiting distanzieren. Dass es nun immer mehr Bewegungen dagegen gibt und auch Facebook nicht mehr tatenlos bei diesem sinnlosen Nutzerfang zusieht, ist die natürliche Konsequenz. Wenn dieser Schritt klappt, steigt die Chance mit guten, seriösen Inhalten Social Signals zu generieren – ohne Gefahr zu laufen als Spam wahrgenommen zu werden oder von diesem überstrahlt zu werden.